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Altjahresabend, 31. Dezember 2020

Was für ein Jahr!

Was für ein Jahr! 

Neben allen Schrecken und Ungemach kam bei mir der Gedanke auf: „Wie schnell die Zeit vergeht!“ 

Der Jahreswechsel macht mir das immer wieder neu bewusst. Er ist eine Chance zum Innehalten und zur Rückschau. 

Meine Bilanz ist zunächst von der Einsicht geprägt, dass Gott in allem Wandel bei mir ist. Gott ist trotz aller Veränderungen beständig. Dieser Wandel war im zurückliegenden Corona-Jahr mit allen Händen greifbar und führte dazu, dass sowohl an Ostern als auch an Weihnachten – den Feiertagen schlechthin - wir als Gemeinde nicht gemeinsam feiern konnten. Ich weiß nicht, wie es Ihnen ging, aber für mich war es ein sehr intensives Weihnachten. Daheim zu sein und mit dem „Weihnachten in der Tüte“ den Abend zu gestalten und zu feiern, war schon etwas Besonderes. Für mich war Gott an diesem Abend besonders gegenwärtig, weil die weihnachtliche Ruhe und das Licht des Kindes unsere Stube erhellte und in Worte und Musik tauchte. 

Es war für mich auch ein sehr besonderes Weihnachten, da ich als Vikar Weihnachten einläuten konnte. Die Möglichkeit von 16.45 bis 17 Uhr die Glocken zu läuten, war für mich ein Höhepunkt des Jahres.

Was für ein Jahr!

Es ging so schnell vorbei und nun steht schon der Jahreswechsel an mit den üblichen Fragen, die diesen begleiten: Was ist im vergangenen Jahr passiert? Was waren die Höhepunkte? Was waren die Krisen? Woran werden wir uns erinnern? Wen werden wir vermissen? Was ist gelungen? Was war schwer? Was möchte ich mitnehmen ins neue Jahr? Was lasse ich zurück?

Diese Fragen spielen bei mir diesmal aber eine untergeordnete Rolle, denn was ich dieses Jahr neu zu schätzen gelernt habe, ist die Gewissheit, dass Gott bei mir und bei uns ist am Abend und am Morgen, und ganz gewiss an jedem neuen Tag. Diese abgewandelten Zeilen von Dietrich Bonhoeffer haben mich auch durch dieses Jahr getragen und mir immer wieder Kraft gegeben. Gerade in Corona-Zeiten haben diese Worte für mich an Tiefe gewonnen und bestimmt werden sie mich auch im nächsten Jahr begleiten. Vielleicht helfen sie uns durch die unsicheren Zeiten, indem sie uns an dunklen Tagen das Licht von Weihnachten vorantragen und uns daran erinnern, was der Liederdichter Jochen Klepper so vortrefflich formulierte: „Der du die Zeit in Händen hast, Herr, nimm auch dieses Jahres Last und wandle sie in Segen“ (EG 64,1).

Was für ein Jahr!

Das Corona-Jahr hat in vieler Hinsicht Lasten für jeden von uns gebracht und manchmal habe ich an diesem Segen ziemlich gezweifelt. Wenn Sie mir letztes Jahr gesagt hätten, dass ich einmal als Vikar vor Weihnachten eine Karte für die Männer in der Petrusgemeinde mitunterzeichnen und einige tiefbewegende Antwortbriefe erhalten würde, dann hätte ich schlicht darüber geschmunzelt und Sie für verrückt erklärt. Aber an vielen Stellen war Gott auch dieses Jahr bei mir und hat mir manche Entscheidung abgenommen und in einen Segen verwandelt. Und ich hoffe, dass Sie so etwas im Großen oder im Kleinen auch erleben konnten und durften.

Was für ein Jahr!

Sich darauf einlassen, dass Gott bei uns ist am Morgen und am Abend und gewiss an jedem neuen Tag, ist jeden Tag ein Wagnis und eine Anstrengung - sicherlich. Aber sie lohnt sich. Denn er vermag es, unsere Last in einen Segen zu verwandeln. Gott hat sich uns unverbrüchlich zugewandt – über alle Zeiten hinweg. Was kann tröstlicher sein? Er nimmt uns an seine Hand und wir lernen an seiner Hand den aufrechten Gang – auch im ungewissen Jahr 2021.

So dichtet Klepper am Ende seines Liedes: „Und führe uns an deiner Hand, damit wir sicher schreiten.“ Dies wünsche ich uns im Umbruch der Jahre, dass wir weiter auf diese Hand von dem, der mit uns unverbrüchlich durch die Zeiten geht, vertrauen können und wir uns sicher mit ihm auf den Weg begeben können, weil er für mich, für Sie und für uns alle da ist.

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