Evangelische
Petrusgemeinde
Mannheim Wallstadt

Aktuelle Meldungen

Dienstag, 19. Januar 2021

Oh Gott, meine Haare.

Dienstag gab es grünes Licht: Ja, es wird weiterhin Gottesdienste aus Mannheim für Mannheimer*innen an den Bildschirmen auf RNF geben. Der nächste aus der Petruskirche. In vier Tagen wird gefilmt. Adrenalin pur! Ich musste Mitwirkende gewinnen, Texte schreiben, eine Inszenierung überlegen. Unsere schöne Kirche mit ihren Besonderheiten sollte zur Geltung kommen, der Gottesdienst zugleich einladend auch für Außenstehende sein. Die Zielgruppe des Senders bedient werden. Und vor allem: Gottes Wort in der Zeit der Kirchenschließung erklingen.

Als ich das Ergebnis sah, hatte ich nur einen Gedanken: „Oh Gott, meine Haare!“ Ich sehe in den Aufnahmen ein bisschen zerzaust aus. Dass dies eigentlich unwichtig und zudem nicht so dramatisch ist, das weiß ich natürlich. Eigentlich. Uneigentlich habe ich doch sehr gehadert mit der Frisur und dem Bild, dass ich abgebe. Warum ist es so schwer, über Kleinkram hinwegzusehen, sich ein realistisches, angemessenes Bild von sich selbst zu machen?

In Psalm 139 heißt es: „Erforsche mich, Gott, und erkenne mein Herz; prüfe mich und erkenne, wie ich’s meine. Und sieh, ob ich auf bösem Wege bin, und leite mich auf ewigem Wege.“ Dankbar stimme ich ein. Das erforschen und prüfen und erkennen soll bitte gerne ein anderer übernehmen. Ein gnädiger Gott, am besten. Denn ich bringe es sonst noch fertig und rege mich einen Tag lang über meine Frisur auf…

Psalm 139 schillert zwischen zwei Bedeutungen. Dem Gefühl der Geborgenheit bei Gott – und der Ausweglosigkeit unter Gottes Blick. Von allen Seiten umgibst du mich, o Herr – das kann heißen: „Ich fühle mich so sicher und geborgen!“ oder „Hilfe! Ich bin umzingelt!“ Die neue Erfahrung der Filmaufnahmen lässt mich noch eine weitere Deutung erkennen. Von allen Seiten umgibst du mich, das heißt auch: „Du hast das umfassendere Bild. Lassen wir mal im Zweifel deine Einschätzung gelten, Gott.“

Gott – allwissend und allgegenwärtig

1 Ein Psalm Davids, vorzusingen. HERR, du erforschest mich und kennest mich. 2 Ich sitze oder stehe auf, so weißt du es; du verstehst meine Gedanken von ferne. 3 Ich gehe oder liege, so bist du um mich und siehst alle meine Wege. 4 Denn siehe, es ist kein Wort auf meiner Zunge, das du, HERR, nicht alles wüsstest. 5 Von allen Seiten umgibst du mich und hältst deine Hand über mir. 6 Diese Erkenntnis ist mir zu wunderbar und zu hoch, ich kann sie nicht begreifen. 7 Wohin soll ich gehen vor deinem Geist, und wohin soll ich fliehen vor deinem Angesicht? 8 Führe ich gen Himmel, so bist du da; bettete ich mich bei den Toten, siehe, so bist du auch da. 9 Nähme ich Flügel der Morgenröte und bliebe am äußersten Meer, 10 so würde auch dort deine Hand mich führen und deine Rechte mich halten. 11 Spräche ich: Finsternis möge mich decken und Nacht statt Licht um mich sein –, 12 so wäre auch Finsternis nicht finster bei dir, und die Nacht leuchtete wie der Tag. Finsternis ist wie das Licht. 13 Denn du hast meine Nieren bereitet und hast mich gebildet im Mutterleibe. 14 Ich danke dir dafür, dass ich wunderbar gemacht bin; wunderbar sind deine Werke; das erkennt meine Seele. 15 Es war dir mein Gebein nicht verborgen, / da ich im Verborgenen gemacht wurde, da ich gebildet wurde unten in der Erde. 16 Deine Augen sahen mich, da ich noch nicht bereitet war, und alle Tage waren in dein Buch geschrieben, die noch werden sollten und von denen keiner da war. 17 Aber wie schwer sind für mich, Gott, deine Gedanken! Wie ist ihre Summe so groß! 18 Wollte ich sie zählen, so wären sie mehr als der Sand: Wenn ich aufwache, bin ich noch immer bei dir. 19 Ach, Gott, wolltest du doch den Frevler töten! Dass doch die Blutgierigen von mir wichen! 20 Denn voller Tücke reden sie von dir, und deine Feinde erheben sich ohne Ursache. 21 Sollte ich nicht hassen, HERR, die dich hassen, und verabscheuen, die sich gegen dich erheben? 22 Ich hasse sie mit ganzem Ernst; sie sind mir zu Feinden geworden. 23 Erforsche mich, Gott, und erkenne mein Herz; prüfe mich und erkenne, wie ich's meine. 24 Und sieh, ob ich auf bösem Wege bin, und leite mich auf ewigem Wege.

 

Die Bibel nach Martin Luthers Übersetzung, revidiert 2017, © 2016 Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart.Die Verwendung des Textes erfolgt mit Genehmigung der Deutschen Bibelgesellschaft.

Zurück