Evangelische
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Donnerstag, 14. Januar 2021

Wiederentdeckte Weite

Jeden Morgen muss ich mich überwinden mich auf mein Gebetsbänkchen hinzuknien. Aber ich will es tun. Ich will Gott begegnen. Ich glaube, es gehört zum Leben dazu, nach Gott zu rufen. Das Gebet gibt mir einen Raum dafür. Besonders die Stille des Gebetes ist für mich wie ein offener Raum, in dem ich mit Gott in Kontakt kommen kann. Das Gebet ist wie ein Zelt der Begegnung. Es ist offen: 24/7.

Wenn ich bete und damit sozusagen eintrete ins Zelt der Begegnung, finde ich Kraft, Freude und Gelassenheit. Ich komme in das Zelt mit all meinem Ringen und allen Problemen. Betrete ich den Ort des Gebetes, werden ich in etwas Hineingenommen, was mir Stille vor mir und der Welt bringt. Ich komme in die Stille hinein und bin nicht abgelenkt von meinem Alltag. In diesen Momenten spüre ich, dass mir eine große innere Stille geschenkt wird.

Es öffnet sich für mich ein Raum, der mir meist im Alltag verschlossen bleibt. Voller Weite. In diese Stille hinein erspüre eine Gegenwart, die mich dankbar stimmt.

Im Gebet geht es um die Einübung in die kleinen Anfänge. Die kleinen Anfänge können dabei ganz verschieden sein: sich Zeit nehmen für das Gebet, manchmal sich von einem Wort ansprechen lassen, oder sich einfach überraschen lassen, ohne groß etwas zu erwarten. Im Wort gehalten zu sein, ist für mich das große Geschenk des Gebetes.

 

Und wenn mir der Boden unter den Füßen zu wanken scheint, dann greife ich auf die Anfangsworte des Ps 23 zurück: „Der Herr, ist mein Hirte. Mir wird nichts mangeln“. Das hilft mir, wenn mir das beten schwerfällt. Ich kann dann merken, dass mir das Gebet mit seinen festgefügten Worten einen Boden bereitet. Dass ich vor Gott nicht fallen gelassen werde.

 

Durch die Anfangsworte des Psalms mit seinen starken Sprachbilder komme ich in einen poetischen Raum hinein, den ich mit Gottes Hilfe ab- und durchschreite. Der Psalm wird so für mich zu einem Zelt der Begegnung, wo mir schon der Boden bereitet ist.

Der Psalm wird in diesen Momenten zu einem Kontaktpunkt, an dem ich Gott meinen Glauben schenke. Und Gott kann mir im Gebet den Glauben schenken.

Durch das Beten des Psalms öffnet sich das Zelt der Begegnung für mich der Ort. Gott lädt mich tagtäglich zu sich ein, ihm in diesem Zelt der Begegnung gewahr und inne zu werden.

Im geschützten Raum des Gebetes kann ich Gott als den Gastgeber meines Lebens erfahren.

Er bereitet mir den Tisch und gibt mir Teilhabe an der Fülle des Lebens trotz mancher Bedrängnis, Ängste und Nöte.

Das Gebet bereitet mir einen Boden. Gottes schützende Hand ein Dach. Im Gebet wird mir persönlich eine Herberge angeboten.

Das Gebet als Zelt der Begegnung kann so ein unverbrüchlicher Ort der Gottesgegenwart und des Gottkontakts sein und bleiben. Es ist voller Leben und hält für mich - zu jeder Zeit und an jedem Ort, 24/7 - einen Platz an dem Tisch des Gastgebers bereit. Darum knie ich mich jeden Tag hin und bin dankbar.

Ich freue mich, wenn Sie mit mir den Psalm 23 beten:

»Der HERR ist mein Hirte,

mir wird nichts mangeln.

Er weidet mich auf einer grünen Aue

und führet mich zum frischen Wasser.

Er erquicket meine Seele.

Er führet mich auf rechter Straße

um seines Namens willen.

Und ob ich schon wanderte im finstern Tal,

fürchte ich kein Unglück;

denn du bist bei mir,

dein Stecken und Stab trösten mich.

Du bereitest vor mir einen Tisch

im Angesicht meiner Feinde.

Du salbest mein Haupt mit Öl

und schenkest mir voll ein.

Gutes und Barmherzigkeit

werden mir folgen mein Leben lang,

und ich werde bleiben

im Hause des HERRN immerdar.«

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