Evangelische
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Donnerstag, 7. Dezember 2021

Körpergedächtnis

Eng ist es mir ums Herz geworden. Das waren zu viele schlechte Nachrichten auf einmal. Im persönlichem Umfeld Todesfälle. Szenen aus den USA, die mein Verständnis überfordern. Der Lockdown noch strikter – und gleichzeitig die Notwendigkeit, eine Entscheidung für oder gegen Präsenzgottesdienste zu treffen. Wenn so viel zusammen kommt, fühle ich mich klein.

Dann richte ich mich bewusst auf am Schreibtisch, Wirbel für Wirbel. Manchmal lege ich mir noch ein Buch auf den Kopf und balanciere es aus. Dann schließe ich die Augen und atme tief durch. Aufrecht sitzen und schweigen und atmen – dieses Dreierlei hat mein Körper fest im Gedächtnis. Es ist die Erfahrung von Taizé. Aus meinen Besuchen bei den internationalen Jugendtreffen ist das vielleicht das kostbarste Mitbringsel. Wenn ich mich aufrichte und schweige und atme bin ich innerlich raus aus der überfordernden Situation. Bin ich Teil einer unsichtbaren Gemeinschaft, die sucht und schweigt und betet und singt. Die berühmten Lieder (z.B. Ubi caritas, Laudate omnes gentes, Bleibet hier und wachet mit mir) sind so geschrieben, dass immer ein Sinnabschnitt auf einen Atemzug gesungen werden kann. „Atem“ und „Geist“ sind in der Sprache der Bibel ein Wort. Bevor ich wieder so weit bin, dass ich hier Ergebnisse präsentieren kann, fertige Überlegungen, Entschlüsse und Begründungen. Solange lasse ich meinen Atem schwingen und singen und – so Gott will – den heiligen Geist wirken.

Behüte mich Gott, ich vertraue dir.

Du zeigst mir den Weg zum Leben.

Bei dir ist Freude, Freude in Fülle!

https://www.youtube.com/watch?v=S6-UneKFn2I

 

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