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Freitag, 10. Dezember 2021

Das ultimative Weihnachtsgefühl

Ich möchte Sie mit auf eine kleine musikalische Zeitreise nehmen - zum Ausgangspunkt meines ultimativen Adventsgefühl. 
Die Reise führt uns zum 2. Dezember 1714. Es ist der 1. Advent. 
Wir sind in der Schlosskirche zu Weimar. 
Wir warten gespannt, was der neue Konzertmeister so zustande bringt. 
Er war zwar schon seit 6 Jahren Organist, ist nun Konzertmeister in der Schlosskapelle gemacht worden, weil er so lange beim Herzog gebettelt hat, dass er ihn befördert. 
Doch eine kleine Aufgabe muss der Herr Musikus erfüllen: Einmal im Monat muss er eine eigens komponierte Kantate aufführen. 
Und das tut er...
Und schon die ersten Töne sind ein Paukenschlag. Wir hören eine französische Ouvertüre, die uns musikalisch weg von Weimar - hin zum franzöischen Königshof nach Versaille führt. 
Sofort wird klar: Diese Art von Musik erklingt nur beim Einzug des Königs. 
Und das Privileg des Spiels dieser Musik steht nur dem Hofkapellmeister zu. Der neue Konzertmeister masst sich also diesen Ton an (und düpiert damit den amtierenden Hofkapellmeister) und macht klar, mit welchem Selbstbewusstsein er hier auftritt.
Zugleich gelingt dem Komponisten die Quadratur des musikalischen Kreises. 
Der Komponist schlägt als erstes den Ton des Opernhauses an, also einen ganz weltlichen Ton.
Aber dann webt er etwas ganz geistliches in seine Musik: 
Ein Luther-Choral "Nun komm, der Heiden Heiland". So gelingt es, dass hier einem ganz anderen König gehuldigt wird.
 Die Ouvertüre ist die perfekte musikalische Form den kommenden König anzukündigen. 
Es wird vom Komponisten, dass zur Gehör gebracht, was wir als Gottesdienstgemeinde schon im gelesenen Evangelium gehört haben: der Einzug Jesu in Jerusalem. 
Es folgt berauschende Musik. Und dann im dritten Satz wird der Wunsch, dass Jesus zu seiner Kirche kommen möge vertont. Doch dabei bleibt es nicht. 
Jesus erreicht das Herz der Gläubigen (jedenfalls meines), wenn der Komponist die Idee seines Textdichters folgend die Worte der Offenbarung zu einer tönend bewegten Form macht: „Siehe, ich stehe vor der Tür und klopfe an. So jemand meine Stimme hören wird und die Tür auftun, zu dem werde ich eingehen und das Abendmahl mit ihm halten und er mit mir“. Und die Musik das Klopfen hörbar macht - ein großer Moment. 
Der Komponist und sein Textdichter verdichten das Gesamt und schreiten den Weg je auf ihre Weise ab: den Einzug Jesu in Jerusalem und seine Wiederkunft und verbinden es mit der persönlichen Bitte um den Einzug das Herz eines jeden Gläubigen. 
Und spätestens im Schlusschoral mit einem Auszug aus der letzen Strophe des Liedes "Wie schön leuchtet der Morgenstern" katapuliert der Komponist mein Herz in die neuen himmlischen Sphären.  
Wir hören  "Amen, Amen, kommt du schöne Freudenkrone, bleib du nicht lange, deiner wart ich mit verlangen". In dem Moment kommt für mich der leuchtende Morgenstern durch den sich über die Orgelempore ergießenden Tonstrom zu uns auf die Erde und sucht sich in mir eine bleibende Statt. 
Dann füllt die Musik ganz das Herz, die Kirche und das Leben mit vollem Goldglanz. 
Und nun kennen Sie mein ultimatives Adventsgefühl aus eigener Anschauung.
Diesen Goldglanz des Adventsgefühls, der sie vielleicht durch das Nach-Hören und Nachspüren der Musik von Johann Sebastian Bachs und seinem Tondichter Erdmann Neumeister erreicht hat oder im Anschauen des Youtube-Videos vielleicht noch erreicht, möge Ihnen die gesamte Advents- und Weihnachtszeit leuchten. 
 
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