Evangelische
Petrusgemeinde
Mannheim Wallstadt

Aktuelle Meldungen

Freitag, 12. Februar 2021

Outtakes

Die Konferenz dauerte schon eine Weile. Es gab gute Gründe für beide Entscheidungen: Die Kirchen wieder für Gottesdienste zu öffnen, oder es noch nicht zu tun. Worauf könnte sich die evangelische Kirche in Mannheim verständigen? Bei der Online-Konferenz rieben sich erste Teilnehmer müde die Augen, den Nacken. Eine Wortmeldung weckte dann plötzlich wieder die Lebensgeister. Ob es uns nicht gerade als Kirche daran gelegen sein müsste, eine einmütige Lösung zu finden?

Zum dritten Mal hatten sich die Vorsitzenden der Ältestenkreise Mannheims zum Austausch mit dem Dekan getroffen. Die evangelische Kirche ist von den Gemeinden her demokratisch aufgebaut. Jede Gemeinde wählt einen Ältestenkreis, der in Sachen Gottesdienst entscheidet. Mehrere Gemeinden ergeben einen Kirchenbezirk mit einem Dekan oder einer Dekanin. Diese haben aber nicht die Macht, sich über Ältestenkreise hinweg zu setzen. Wenn im katholischen Mannheim zähneknirschend das Bischofswort umgesetzt werden muss, ist man evangelischerseits gern stolz auf die Macht und Freiheit der Gemeinden. Bei der Austauschrunde per Videokonferenz am 27. Januar war dagegen die Sehnsucht nach Einmütigkeit mit Händen zu greifen.

Dass durch Gottes Geistkraft eine Gemeinschaft entsteht, ist ein zentraler Glaubenssatz der Kirche. Alles Trennende gilt in dieser neuen Gemeinschaft in Christus als überwunden. In den idealisierten Berichten über die erste christliche Gemeinde heißt es in der Bibel: „Und sie waren täglich einmütig beieinander im Tempel ...“, „Die Menge der Gläubigen aber war ein Herz und eine Seele.“ Auch eine Mannheimer Kirche zeugt vom hohen Wert der Einigkeit: „Konkordienkirche“ bedeutet Kirche der Eintracht.

Nun ist ein Gebäude vermutlich leichter benannt, als eine gemeinsame Linie in einer umstrittenen Frage gefunden. Das erleben nicht nur die Mannheimer Gemeinden angesichts der Frage von Gottesdiensten im Lockdown.

In der Kirchengeschichte versammelte sich in den ersten Jahrhunderten mehrfach Abgesandte der ganzen Christenheit zu Synoden. Auch dort strebte man (offiziell) nach Einmütigkeit. Wenn sich jedoch gerade die Gruppe verspätete, von der besonderer Widerstand in einer bestimmten Frage erwartet wurde, dann wurde dieser Tagesordnungspunkt schon einmal schlitzohrig vorgezogen. Dann hieß es bereits: „Wir bekennen einmütig…“ bevor die Gegenseite angekommen war. Später wurden auf solchen Konzilen auch Mehrheitsentscheidungen eingeführt. Damit wenigstens alle gehört werden konnten und nicht mehr trickreich ausgebootet werden mussten. Einmütig hieß dann: Mehrheitlich.

Noch ein anderes Verständnis von Einmütigkeit präsentiert der Apostel Paulus im Römerbrief. Er hat die Realität in den ersten christlichen Gemeinden kennengelernt – nicht das geschönte Bild. Seine Erfahrung zeigte, dass es in einigen praktischen Fragen schon damals nicht gelang, eine einheitliche Regelung zu finden. Damals ging es natürlich nicht um Versammlungen zum Gottesdienst im Lockdown. Damals ging es um die Sabbatruhe, um Speisegebote, um unterschiedliche Familien- und Volkstraditionen. Viele derjenigen, die von Hause aus Juden waren und jetzt zum Glauben an Jesus Christus gekommen waren, wollten z.B. an den Speisegeboten festhalten. Sie legten geltende Regeln eher streng für sich aus, weil es ihr Gewissen so gebot. Andere begegneten Gottes Wort erstmals, als sie Christen wurden. Sie fühlten sich nicht an diese Gebote gebunden. Was heißt da „Einmütigkeit?“ Nicht, dass sich doch alle auf eine Meinung einigen. Sondern dass ihr Miteinander die unterschiedlichen Gewissenentscheidungen aushält, ohne daran zu zerbrechen. Ohne, dass einer den anderen deswegen verurteilt oder verachtet. „Ein jeder sei seiner Meinung gewiss. Darum lasst uns nicht mehr einer den andern richten; sondern richtet vielmehr darauf euren Sinn, dass niemand seinem Bruder (oder seiner Schwester) einen Anstoß oder Ärgernis bereite.“

Zurück