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Mittwoch, 20. Januar 2021

Lehre uns beten!

Mir kommt es so vor, als würden viele Menschen nicht mehr beten. Mich wundert das. Ist es der Eindruck: Mein Gebet hört doch eh niemand und schon gar nicht Gott? Vielleicht die Angst, dass meine Worte Gott nicht genügen? Oder dass man keine richtige Sprache findet und finden kann? Ist beten zu schwierig?

Die Jünger baten Jesus: „Herr, lehre uns beten!“ (Lk 11,1). Ich mache mir daran immer wieder klar, dass ich in der Nachfolge Jesu stehe. Ich bin wie seine Jünger. Auch in ihrer Hilflosigkeit, zu beten. Das ermutigt mich überhaupt mit dem Beten anzufangen.

Luther hat diesen Kampf mit dem Gebet in Worte gekleidet: „Knie nieder in deinem Kämmerlein und bitte mit rechter Demut und Ernst zu Gott, daß er dir durch seinen lieben Sohn wolle seinen Heiligen Geist geben, der dich erleuchte, leite und Verstand gebe“.

Luther macht klar: Das Gebet sollte keine Leistungsschau sein, kein angestrengtes spirituelles Training. Um diesem zu wehren verweist Luther auf den Heiligen Geist. Der Heilige Geist ist die schöpferische Kraft, die allein alles Beten ermöglicht und verwirklicht. Er ist das Band der Liebe zwischen Gott und Mensch. Der Geist ist die schöpferische Kraft. Er stiftet die Gemeinschaft zwischen Gott und Mensch und erhält diese Gemeinschaft. Paulus hat dies in seinem Brief an die Römer thematisiert, wenn er darlegt, dass der Geist der menschlichen Schwachheit mir zu jeder Zeit, an jedem Ort zu Hilfe kommt, „denn wir wissen nicht, was wir beten sollen und wie es sich gebührt. Der Geist selbst jedoch tritt mit unausprechlichem Seufzen für uns ein“ (8,26).

Wo alle meine Worte von sich her Gott niemals erreichen und wie Steine zu Boden fallen, da hoffe ich auf den Heiligen Geist. Das Gebet fängt nicht mit menschlichen Gebetsworten an, sondern hat schon längst angefangen, wo ein Mensch zagende und tastende Worte spricht wie: „Herr, lehre mich beten“.

Erst wenn ich im Gebet diese Entlastung erfahre, gelingt es mir neue Perspektiven und Erfahrungen gewahr und zu inne zu werden, die mich hoffentlich durch das Jahr 2021 in Gebets-Gemeinschaft mit Ihnen hoffnungsvoll tragen werden.

Dr. Marcus Held

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