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Montag, 7. März 2022

Krieg

Was soll ich dazu schon groß schreiben? Dass ich den Krieg verurteile und jeden Morgen wünschte, die Nachrichten berichteten von dem Wunder des Friedens? Dass ich mir Sorgen mache um unser ehemaliges Au Pair, einen jungen Mann aus der Ukraine, der für ein Jahr quasi zur Familie gehörte? Und um seine Familie. Und um die ukrainischen Eiskunstkunstläufer*innen, auch im Juniorenbereich. Und um all die Menschen, deren Namen und Gesichter ich nicht kenne. Natürlich beschäftigt mich das. Natürlich bete ich für sie. Und fasse es doch kaum: Mariupol „eingekesselt“. Kiew unter „Artilleriebeschuss“. Solche Wörter gehören in die Geschichtsbücher und nicht in die Nachrichten.

Ich kann das einfach nicht fassen und mir auch gar nicht vorstellen. Saßen da tatsächlich irgendwo russische Generäle zusammen und berieten sich, wie sie den Befehl nun umsetzen, das Land einzunehmen? Ich hatte irgendwie die naive Vorstellung, dass, wenn Generäle in Europa nach 1945 so einen Befehl erhalten, sie dann alle herzhaft lachen, weil es ein Scherz sein muss. Und, wenn sich rausstellt, dass es tatsächlich ernstgemeint ist, ein anderes Land zu überfallen, dass sie dann ihre Uniformen ausziehen und das Zimmer verlassen und sich niemand findet, der mitmacht, wenn wirklich Krieg wäre. Irgendwie müssen diese 80er-Jahre-Friedensbwegungs-Sprüche tief in mein frühkindliches Bewusstsein gedrungen sein und bis heute wirken.

Ich kann das nicht fassen, dass nun Menschen auf U-Bahnsteigen ausharren. Und dass andere plötzlich kämpfen sollen, das Land verteidigen. Ich bin verstört davon, dass diese Verteidigung anscheinend auch 2022 automatische Männerarbeit, Männerpflicht ist. Nie, nie, nie, nie, nie soll mein Sohn einmal zur Waffe greifen müssen. Ich dachte immer, das wäre ein geteilter Wert in ganz Europa: Dass die Söhne nie wieder in den Krieg müssen.

Jetzt ist Krieg und ich kann es nicht fassen. Was soll ich da schreiben?

Kyrie eleison. Herr, erbarme dich.

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