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Samstag, 20. Februar 2021

Passionszeit als mathematische Herausforderung

Wie schon angekündigt hat die Fastenzeit 40 Tage, obwohl es 46 Tage von Aschermittwoch bis zu Ostern sind.

Dazu bedarf es zum Glück keiner höheren Mathematik, wie z.B. bei dem Versuch der Quadratur des Kreises . 

Und ja, zugegeben, es ist ein kleiner "Theologentrick" dahinter, denn die Sonntage sind in der Fastenzeit Freudentage. Und es ist keine höhere Mathematik, wie bei dem Versuch der Quadratur des Kreises nötig. 

Ich finde diese Tradition ganz bezaubernd, weil sie nochmals eine Unterbrechung des Fasten-Alltages sind. Und ich finde es gerade bezeichnend, dass es 6 Tage sind.

Wie war das nochmal: »und am 7 Tage sollen wir ruhen«. Damit ist auch gesagt, dass wir Sonntags die Freude über das Ruhen unserer Bemühen wahr- und ernstnehmen sollen. Wir können uns freuen, dass für ein Tag die Zeit der Bewährung und Buße unterbrochen wird. Ich finde dies einen schönen Gedanken, der es uns ermöglicht mal den Alltag zu vergessen und uns durch die Ruhe Freude schenken kann, die vielleicht viele von uns gerade vermissen.

Der nun anstehende Sonntag "Invocavit" mit seinem Leitwort aus Psalm 91,15

„Wenn er mich anruft, dann will ich ihn erhören“

hat für mich immer eine besondere Note, da Gott uns anspricht, damit wir etwas tun, nämlich auf ihn hören. Dieses Hören übersetze ich für mich, dann mit "Freude". Ich erfreue Gott, indem ich mich freue, weil er mich daran erinnert, dass Leben nicht nur als Buße und Bewährung zu sehen. 

Diese Freude des Glaubens führte in der Kirchengeschichte zu zwei wichtigen Ereignissen, die vor 499 Jahren in den Zentren der Reformation stattfanden.

In Wittenberg: Luther steigt auf die Kanzel und hält an 7 Tagen 7 Predigten, um die Reformation in Wittenberg wieder in geordnete Bahnen zu bringen. Kernbotschaft am Sonntag Invokavit war: „Wir müssen auch den Glauben haben und durch die Liebe einander tun, wie Gott uns durch den Glauben getan hat … Gott will keine Zuhörer oder Nachplapperer des Wortes (Gottes), sondern Nachfolger und Ausübende.“  Die damalige Botschaft tönt in meinen Ohren in Corona-Zeiten aktueller denn je.

In Zürich: Es fand das Wurstessen statt. Das Wurstessen ist die symbolische Demonstration der evangelischen Freiheit im Sinne von Zwinglis Predigten und Luthers Bibelverständnis. Für die reformierte Tradition ist dieser Bruch ähnlich bedeutsam wie der Thesenanschlag in Wittenberg. Sie bringt die Freude an der Freiheit zum Ausdruck, die Gott uns als Menschen geschenkt hat. 

Diese beiden bedeutsamen Ereignisse finde ich, sind Grund zur Freude. Sie machen klar, dass wir es sind, die Freude am Leben durch das Geschenk Gottes haben sollen. Diese beiden Ereignisse sind für mich ein Grund zur Freude, da ihre Nachwirkungen uns bis heute begleiten. Sie sind auch derGrundstein für große Freude: In diesem Jahr feiern wir 200 Jahre badische Union. Die Ereignisse an Invokativt sind beides Wurzeln der gelebten "badischen Freiheit". 

Und vielleicht schaffen Sie es ja in den kommenden Wochen am Sonntag in die Kirche, um gemeinsam die Freude mitzuleben, dass es wieder möglich ist auf Gottes Wort in einem kurzen Morgenimpuls zu hören (eine Anmeldung ist nötig!). Das wäre eine große Freude!

Oder sie genießen den Leitspruch der kommenden Sonntage in vollen Zügen und viel Freude, weil Gott mit uns sein will: 

„Wenn er mich anruft, dann will ich ihn erhören“.

 

 

 

 

 

 

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